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111 Orte in Leipzig: Leseprobe No.2!

(…) Erwähnt werden muss die Mädler-Passage aus zweierlei Gründen: erstens Goethe, zweitens Schneider. Ersterer hat den edelsten der Leipziger Durchgänge mit seinem Weltbestseller »Faust« geadelt, indem er den verjüngten Doktor und seinen diabolischen Reisebegleiter hier Station machen ließ. Der andere Doktor, Utz Jürgen Schneider, gern Baulöwe genannt, hat dieses Schmuckstück aus dem 16. Jahrhundert nach der Wende auf Hochglanz polieren lassen. Allerdings auf Basis eines Geflechts aus Milliardenbetrügereien, das irgendwann aufflog und den Doktor fliehen ließ, bis nach Amerika, von wo aus er dann in einen weniger prachtvollen Bau einziehen durfte. (…)

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111 Orte in Leipzig: Leseprobe No.1!

Wer ist diese Frau Krause eigentlich? Jeden Abend statten ihr kräftige Connewitzer Kerle einen Besuch ab, bleiben auch mal länger, ab
und zu auch mal die ganze Nacht. Sie gehen zum Fußball gucken zu ihr, zum Skat spielen. Kochen kann sie auch. Trotzdem halten sie viele für eine Schönheit. Die Naturbelassene sieht noch genauso gut aus wie damals in
den Fünfzigern.

Diese Frau Krause ist ein Denkmal, aber kein verstaubtes, museales, keins, das sich in Nostalgie kleidet. Frau Krause ist Geschichte und Gegenwart und Zukunft in einem. Soweit man das jetzt schon sagen kann. (…)

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Sylvester war Sylvia auf Sylt

silvestersilviasiltSilvester war Silvia auf Silt
Sensible Gespräche mit
sympathischen siebenunddreißigjährigen
surfbegeisterten Sparkassenkarrieristen
so mag es die Silvi, immer schön sinnvoll

eine Sensation dieser Sören
mit streng gestylten Strähnen
schob er sein stylisches Phone
stürmisch in ihren Schoß
seine sekündlich synchronisierte Abschlepp-App
summte Silvi auf Silt in den siebenten Himmel

als der sensible Sören Silvi in seinem silberfarbenen Siebener
bei siedendheißen Simply Red-Symphonien
seine Sicht auf Sylt servierte und auf die Welt
sagte Silvi: so simpel?
Sören summte selbst gefällig
So gefiel das auch Silvi

Silvester auf Sylt segelte Silvia
nach – summa summarum –
sieben Sommern (und Wintern) der Suche
mit Sören sicher in seine Welt

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Leute, die beim Radio anrufen

leute die beim radio anrufenLeute, die beim Radio anrufen,
rufen mal beim Radio an
- einfach so -
freuen sich,
für alle hörbar,
dann ein Loch in’ …

Warnen uns vor bösen Blitzern,
grüßen Mutti, reißen Witze
Treiben seichtes Rumgeseire
kichernd auf die Spitze

oder gibt’s was zu gewinnen
Tasse, Socken, Lockenstab
Jubeln Gabi, Thorsten, Jochen
Und ich schalte ab

Freunde haben die wohl keine
Keinen Hund, kein Hairstylist
Quäl doch mal ne Service-L(e)in(e)
Radio-Anruf-Egoist!

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Dauercamper

Dauercamper campen dauernddauercamper
wickeln, zurren, fegen, hämmern
machen keinen Urlaub machen
Alltag – von Morgengrauen bis Abenddämmern

Kochen, Backen, Waschen, Essen,
Essen, Essen, Essen, Essen
Duschen, Pinkeln, Füße waschen!
Meer und Sonne längst vergessen

Und nach sieben langen Wochen:
Aus dem Vorzelt rausgekrochen
Vernageln alles, verpacken Dinge
Staubiger Fiat, auf dem Rücksitz die Inge
Ab nach Hause, endlich wieder…

Wickeln, Zurren, Fegen, Hämmern
Scheiß auf Urlaub – Herbst bis Juli
Alltag – von Morgengrauen bis Abenddämmern

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Hackepeter Faces

160211_Hackepeterfaces„Meine Damen und Herren, begrüßen Sie mit einem verständnisvollen, einem verständigen, einem angemessenen Applaus, den Künstler des Abends: Uh Ah.“ Der Künstler betritt die Bühne, eine weiße Fellimitation im klassischen Schürzenschnitt, Ohrringe aus Erdnussdosendeckeln, mit einem kleinen Hammer in eine anklagende Schüsselform getrieben, das Haar hinten lang, an den Seiten hoch rasiert, dazu ein rötlicher Backenbart. (weiterlesen…)

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Bon Voyage!

130111_Wohin soll denn die ResieWohin soll denn die Reise gehen? Im engen Korsett des antifaschistischen Schutzwalls war diese Frage, die landauf landab in die Musikstunden einer jeden POS kurz vor den Sommerferien gehörte, nicht mehr als bitterer Zynismus. Nun steht uns die Welt aber tatsächlich offen – geografisch, politisch, religiös, beruflich, sexuell… Gerade zu Beginn eines neuen Jahres darf also gefragt werden: Wo geht’s lang in Zwo-Elf? (weiterlesen…)

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Planet der Affen

130111_Herr NDer N schlägt den Kragen hoch. Was hatte ihn nur hinausgetrieben in diesen verregneten Dienstag. „Die Angst war es, die Angst“, flüstert sein Herz, während es warmes Blut in seine kalten Füße pumpt. Mit seinen dünnen Fingern wischt er den Gedanken mit dem Regen aus seinem Gesicht. Die Schultern hochgezogen, alle Muskeln angespannt, läuft er steif dem Tag entgegen. Morgenstund hat Gold im…naja, wo eigentlich? (weiterlesen…)

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Rebellion!

REBELLIONVielleicht hätte ich den Bahnhof gemocht und vielleicht ist Atomenergie wirklich verdammt sauber… Was ich aber mit Gewissheit sagen kann, ja beinahe euphorisch herausschreiben möchte: Ich liebe diesen Wind der Rebellion! Und ich kann die Motive verstehen, die junge und alte Menschen auf die Straße treiben. (weiterlesen…)

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Hyvää yötä

winterschlafDie Ina mag gern heißen Sanddornsaft, in ihren roten Kuschelstrümpfen rollt sie sich auf dem alten Sofa zusammen und schaut Kinderfilme. Der Dirk ist pragmatischer, sobald er die Arbeitstasche in die Ecke gefeuert hat, beginnt er zu saufen. Claudia brutzelt sich regelmäßig die obere Hautschicht im Solarium weg. Und Ingrid und Heinrich jetten – denn die können sichs ja leisten – regelmäßig gen Süden. (weiterlesen…)

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