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Allgemein

Unter der Linde

Unter der uralten Linde
– Nicht ein Blatt bewegt sich im Winde –
Ruht die stramme Gerlinde
Bedeckt nur von zartestem Blumengebinde

Klaus, ihr Witwer, mit dem aschfahlen Gesicht
Und auch die fünf dünnen Kinder
finden, und nicht nur gelinde,
das Ganze doch irgendwie schade

Ganz anders,
Natur ist Zynismus egal,
sieht das,
reich gesegnet mit Kindern auch sie,
die fromme Frau Mutter Made

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In gleißender Unendlichkeit

An jedem Tag
in jedem Gedanken
in jedem Muskel
in Deinem Lächeln
in meiner Stimme
im chaotischen Lärm
in tiefer Stille
quietscht und kreischt alles
quietscht und knirscht alles

Im Sonnenschein
im rauschenden Regen
im Grün wachsender Pflanzen
im Zwitschern der Vögel
unter Deinen Füßen
unter meinen Rädern
am Rumpf dieses Bootes
reißt und kreischt alles
reißt und schlägt alles

In leichtsinniger Euphorie
in zärtlicher Nähe
in roter Wut
in unschuldiger Freude
in erdiger Trauer
im Jetzt und Hier
im fernen Damals
brennt der entzündete Schnitt
brennt die reißende Wunde

Kopfüber in der Schwerelosigkeit
im dumpfen Nichts
in gleißender Unendlichkeit
zwischen allen Zeiten
hinter allen Zielen
Lösen wir uns auf
in Wind und Wasser
in Wärme und Ewigkeit
in Stille und Licht

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Endlos

Endlos rennt los.
Bleibt nicht stehen. Kann’s nicht sehen.
Wind treibt Tränen. Zeit zu dehnen.
Immer weiter, Graben und Leiter.
Füße brennen. Müssen rennen.

Endlos steht.
Einen Moment.
Herz hüpft wild. Lunge brennt.
Da der Stich. Ist das nicht…?
Endlos setzt, bevor es zerfetzt.
Einen Fuß. Ohne Gruß.
Läuft er weiter. Gar nicht heiter.
Ziemlich bitter. Hitze, Gewitter.

Kann kaum was erkennen.
Unscharf beim Rennen.
Doch sehr bewegt. Stillstand zerlegt.
Zeit im Griff. Bunte Fische am Riff.
Hoher Gipfel. Vögel im Wipfel.
Toller Garten. Kann nicht warten.

Denn ganz hinten.
Endlos weit. Aber bereit.
Kann er ihn sehen. Darf nicht stehen.
Immer entkommen. Berge erklommen.
Wälder zersägt. Küsten gefegt.
Endlos flieht. Endlos folgt.

Endlos fällt.
Endlos

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Samt

Ich musste Dich, ich musste mich
mühevoll und voll und lang
und erst dann, und gar nicht schnell
doch wissend, irgendwann – und unter Tränen
– gebären

Ich musste Dich, so schwer und wund
so vage und scheinbar ohne Grund
ich musste dich reißen, ziehen
ich habe Dir, ich habe mir verziehen

Vielleicht war es das
Und erst dann, konnte der blutrote
Vorhang fallen, schwer und dramatisch
– so hoch das Bühnendach,
so langes unheilschwangeres Rauschen

Angsterfülltes Lauschen erst
und absolute Ruhe dann
– blutrot und rauschend –
Lage um Lage

Und das Messer
Mit der langen, dünnen
ungewöhnlich edlen Klinge
entschuldigend und verstanden
dringt es in Dich, in mich ein

schwer, und rauschend,
dramatisch, klebrig und glänzend
– wie Samt –
faltet sich Lage um Lage
Dein, mein Blut auf den braunen Bühnenboden

Leicht erst und dann angenehm schwer
weicht der Atem aus mir, aus Dir
letztes Heben, letztes Senken
warmes Kribbeln, rostiger Geschmack
sinke ich, sinkst Du hinab
auf den braunen Bühnenboden

Mühevoll und voll und lang
und erst dann, und gar nicht schnell
Musste ich Dich, musste ich mich
wissend und unter Tränen
– töten

Um frei von uns zu sein
und endlich unsere Geschichte zu erzählen.

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Pragmatist

Einen Stich an sich
stecke ich weg
ist nur der Schreck

Ein Riss
das ist gewiss
verheilt mit Mühe

Bevor ich mich Mühe
würde ich gern wissen
werde ich es…
werde ich dich vermissen

ich frage kaum verbissen
nur wegen der Schmerzen
nicht im Rücken
im Herzen

Einen Stich
– ich habe es gesagt –
hat jeder schon mal gehabt

doch noch einen Riss
und ich zerreiße
endlos
immer

Nur kein Gewimmer
Pragmatist, der ich bin
macht es nur schlimmer
kriegen wir hin

also sagen sie mir
einen Stich nur mit Schreck
oder einen Riss
zum Zerreißen
ich werde pro forma mein Leidzimmer weißen

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Mich vermisse ich

Ich vermisse Mich
nicht in der Welt
nicht dazwischen
nicht im Verweilen
nicht im atemlosen Eilen
nicht zwischen Scheinwerfern
nicht im Licht der Leuchtreklamen

kein Funken in der Dunkelheit
funkelnder Raum in mir

Wo in der Welt?
Eingeklemmt zwischen hier und Dir
Jetzt, dann und gestern
Vorgestern erloschen

Nicht ganz
Ein Leuchtfaden im Irgendwo
Irgendwo hinterm Nirgendwo

Mich vermisse ich
Und Du Mich

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