angesichts andauernder, kriegsähnlicher Zustände will ich mich nach Wochen des Ärgerns und des Haderns nun schriftlich bei Ihnen beschweren. Die Spaßgesellschaft ist längst Geschichte, die Dienstleistungsgesellschaft an ihre Stelle getreten. Service wird groß geschrieben, der Kunde sei König. In ihrem Unternehmen hat man davon mit großer Sicherheit noch nie gehört. Wer ist schon die Telekom, wer die Deutsche Bahn? Bezüglich ihrer Unternehmensphilosophie bleibt mir nur zu spekulieren, denn einen Ansprechpartner suche ich seit Tagen vergeblich. Kein Servicepoint, kein Reisecenter, keine missgestimmten, unterbezahlten, schlecht informierten Mitarbeiter, einfach niemand.
Vergeblich war auch die Mühe, einen Callcenteragenten mit betroffenem Zuständigkeitsbereich zu finden. Kein: „Wenn Sie nicht möchten, dass Ihr Gespräch zur Steigerung unserer Servicequalität mitgeschnitten wird, drücken Sie die 1.“ Kein: „Ziehen Sie doch erstmal den Stecker raus.“ Kein: „Nein, ich kann Sie nicht verbinden.“ Ich hätte mich wirklich liebend gern einer vielversprechenden Warteschleife ergeben. 100 Jahre Beatles-Hits in Instrumentalversion: „Hey Jude don’t make it bad, take a sad song and make it better, remember to let her into your heart,
then you can start to make it better.“ Aber nein, nirgends findet sich eine Hotline, kein teures Servicetelefon, kein Live-Chat und keine E-Mail-Adresse. Natürlich, die eine oder andere Fansite gibt es schon. Aber ein Unternehmensauftritt, wie ihn jede Ich-AG auf die Beine stellt, den findet auch die beste Suchmaschine nicht.
Seit Menschengedenken bestimmt Ihr Laden den Markt in augenscheinlich ungesunder Monopolstellung. Ständig wird der Verbraucher mit immer sinnloseren Produkten überschwemmt. Tausendjährige Knebelverträge ähnlich krimineller Klingeltondealer zwingen die Kunden in die Knie. Nach einer Steißprellung, einer ausgekugelten Schulter, einer teuren Autoreparatur und drei Erkältungen versichere ich Ihnen heute schriftlich: Ich mache da nicht mehr mit, ich steige aus, ich bin raus. Keine noch so große Lawine aus anwaltlichen Schreiben, kein Tsunami rechtlicher Entrüstung und kein Gewittersturm aus leeren Drohungen halten mich davon ab. Ab sofort verweigere ich mich dem ewigen Lauf aus Frühling, Sommer, Herbst und Winter! Verzichte ich auf Regen, Schnee und Blätterrauschen: Ich kündige mein Wetterabo einseitig zum 31. des laufenden Monats, sollte es Ihnen nicht gelingen, bis zum 20. März diesen Jahres folgende Bedingungen zu erfüllen:
Ich erwarte, dass jedes Fitzelchen Schnee restlos entfernt wird. Jeder Eiszapfen, jede eingefroren Pfütze sind vollständig in den flüssigen Zustand zurückzuversetzen. Jeder Baum und jeder Strauch sind mindestens mit sichtbaren Knospen zu versehen. Eine breite Palette aus bunten Frühblühern ist als Wiedergutmachung in besonders hoher Dichte anzupflanzen. Und ich verlange Fön! Sanften, milden Fön. Die Lufttemperatur ist um mindestens 25 Grad zu erhöhen. Außerdem hat sich die Sonne zu zeigen. Keine Wolken, keine Regen oder ähnlicher Scheiß. Einfach blau und gelb. Himmel und Sonne.
Sollten Sie meine Forderungen nicht in angemessenem Maße und in vorgegebenem Zeitrahmen erfüllen, werde ich mich an die Presse wenden. Und wenn ich Presse sage, meine ich nicht FAZ oder Süddeutsche, sondern Express, Bild und Morgenpost, RTL, RTL2, SuperRTL!
Mit freundlichen Grüßen