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Der Schwanz des Drahtesels

schwanz des drahteselsNa, was tragen Sie drunter? …Ist da irgendein Mann am Heft, der sich von dieser Frage angesprochen fühlt? Mal Hand hoch! Dachte ich mir doch. Die beste Freundin der besten Freundin, die weiß gemeinhin, ob die den String mit Erdbeeren oder dieses halbdurchsichtige Teil mit den etwas längeren Beinen trägt. Männer aber tragen entweder nichts drunter oder reden eben nicht drüber. Nun bin ich ja selbst männlichen Geschlechts und auch wenn der Tag beim Schreiben dieser Zeilen nicht mehr ganz jung ist, so denke ich doch, mich vage erinnern zu können, am Morgen als erstes eine Unterhose übergestreift zu haben. Also will ich kurz erklären, warum mich dieses Thema neuerdings bewegt: Männer tragen Schlüpper, davon bin ich bis vor wenigen Tagen einfach ausgegangen. Das musste ich nicht nachlesen, googeln oder jemanden befragen. Das war Gewissheit, wie beim Vorhandensein der Schwerkraft. Da muss ich morgens auch nicht groß überlegen. „Wie war das doch gleich mit der Schwerkraft? Gabs da einen Trick, erst linker Fuß, dann rechter  Fuß und gilt die jeden Tag oder ist heute leichter Freitag oder schwerer Montag.“ Klar, manchmal ist der Kopf schwer, gern Samstag- oder Sonntagmorgen, aber dafür kann Newtons Apfel nichts.

Genau so hielt ich das mit den Buchsen beim Mann. Ich dachte einfach nicht darüber nach. Bis vor wenigen Tagen. In der Umkleide meines Rückenkompetenzzentrums kletterte ein langer, dünner Endvierziger mit Radfahrerwaden aus der Dusche. Und auch wenn Mann das nie zugeben würde, Mann mustert schon mal flüchtig und mit vollkommen gleichgültiger bis gelangweilter Mine das beste Stück des anderen Mannes. Und dieser Mann – und ich übertreibe keinen Zentimeter – hatte einen Pferdeschwanz. Ich musste nicht mal hinschauen, der schaukelte einfach wie das Pendel einer Standuhr ganz von selbst in mein Blickfeld. Da denkt man dann gemeinhin mit gleichgültiger bis gelangweilter Mine so etwas wie: „meine Herren“ oder „verdammt, was ist das denn“ oder so. Ging mir auch so, ich war kurz beeindruckt und hab nicht weiter darüber nachgedacht… Bis zu dem Moment, als der Typ seine 80iger Jahre-Retro-Jeans-Hot Pants überzog… ohne IRGENDETWAS darunter zu ziehen! Meinem Ekel folgte technisches Unverständnis. Wie hatte der DEN verpackt und würde sich der Knoten während der Fahrt auf seinem Citybike mit dem schmalen Sportsattel unter Umständen lösen? Einen Fahrradhelm setzte der Mann übrigens ganz gewissenhaft auf.

Seit diesem Erlebnis denke ich über die Unterwäsche meiner Mitmänner nach. Früher, vor über zwanzig Jahren, da trug man Schlüpfer. Die hießen einfach so. Die hatten diesen Dreiecksschnitt. Es gab sie in weiß und in weiß und nach vielen hundert Kochwäschen auch in grau. Als Kind, das ich damals war, hatte ich das Privileg mehr oder weniger dekorativer Aufdrucke. Später war es dann schick jemanden zu kennen, der jemanden kannte, der einen Brieffreund (ja, nix Internet) in Amerika hatte. Der besorgte dann Calvin Klein-Unterhosen. Mittlerweile versorgen mich aber die Schweden nicht nur mit Möbeln, sondern auch mit preisgünstigen U-Hosen-Dreierpacks. Auf eine Form habe ich mich mittlerweile festgelegt, Farb- und Musterfreudigkeit verändern sich.

Ich hoffe, ich konnte der Emanzipation des Mannes im Unterwäschesektor mit diesen Zeilen ein wenig auf die Beine helfen. Scheuen Sie sich nicht davor, reden Sie darüber, machen Sie ihren Sportkameraden Komplimente, durchbrechen Sie dieses Tabu. …Außerdem hoffe ich, der Typ mit dem Fahrradhelm ist sicher Zuhause angekommen… nicht auszudenken… hihihi. Schluss!

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