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Ich blute auf’s Papier

Ich blute auf’s Papier. Ich blute auf‘s Papier:
Was, was um alles in der Welt tue ich hier?

Das Blut läuft über den Tisch
Es scheint, es ist gar nicht ganz frisch
Es benetzt den Rand, färbt durstig weiß zu dunkelrot
das ganze Blatt: 7 Liter, tot

Ich kratze Zeichen in die getränkte Fläche
Worte reißen zu Löchern, es bilden sich Bäche
Keine Sätze, nur klebrige Fetzen
keine Poesie, nur gedankenloses Entsetzen

Ich blute, ich blute, bis ich den ganzen Raum flute
Überall rot, kein Weiß, kein Kontrast
nur ich selbst, nur du, alles verpasst

all die Luft, all das Fleisch, all der Zucker
nur klebriges Blut rinnt aus dem Drucker
keine Worte, kein Sinn und kein Gefühl
ich blute, ich blute, und das ist wirklich nicht viel

Dabei wollte ich nur Gedanken ranken,
wollte ganz sanft in Gefühlen wühlen,
wollte die ganz großen Bilder malen,
und auch ganz kleine, und vollkommen schräge

Als ich ich mir kraftvoll in den Unterarm säge
und da fließt das Blut, die Tinte der Dichter
da überspült mich die Flut
und ich werd‘ auch nicht mehr dichter

Ich blute, ich blute, nicht mehr auf’s Papier
ich flute die Welt, die war bisher gar nicht hier
Ich schwimme, ich schwimme
und zwar ziemlich schlecht, und ertrinke am Ende
Künstlerpech!

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