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Nachsaison

Durch die Luft fliegt rauschend: eine halbtote Taube
Fällt ungefragt und -gebraten in mein Gesöff aus der Traube
Die früh verfaulte Kastanie stürzt sich vom morschen Baum
Gesellt sich zum steifen Geflügel in den stinkenden Schaum

Der Himmel, immer der Himmel, ist ekelerregend blau
Gespiegelt im brodelnden Wasser, färbt sich das Bild grün und grau
Kühe, Schafe und Pferde hinter knisternden Zäunen
Fallen dumpf vom Hang, litten unter ungleichen Beinen

Rumpelnde Wagen fahren quietschend auf bröckelnden Straßen
Todessehnsüchtige Fahrer überholen vor Kurven und rasen
Pfeifend, fauchend und sterbend quält sich durchs Kartenmotiv
Ein Zug auf zerbröselnden Schienen hin zum Abhang, so tief

In überfüllten Cafés, entlang verlassener Straßen
Versuchen in beige und in grau alte Menschen die Szene zu fassen
Ihre blutigen Tränen tauchen alles in romantisches Rot
Ein Kellner stolpert über’s Eisbärfell und ist auf der Stelle tot

Aber die Sonne, sie scheint, man hat den verbrieften Spaß
Gliedmaßen segeln vom Rumpf, ich schwöre, ich rieche Gas
Und am exklusiven Strand, im Schatten schimmelnder Liegen
Ganz am Ende der teuren Saison, scheint noch jemand zu liegen

Schnell kratzen Federn und Minen Lügen auf buntes Papier
Zungen lecken lüstern an Marken, schmecken nach schalem Bier
Würgend erhebt sich die Taube, aus meinem Traubensaft
Trägt den Brief in die Heimat, tut das mit letzter Kraft

Grau wedeln Tücher zu Massen
zum Abschied aus tausenden Fenstern
Brennend verschwindet der Zug
am Ende des Sommers im Finstern

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