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Blut

Nachsaison

Durch die Luft fliegt rauschend: eine halbtote Taube
Fällt ungefragt und -gebraten in mein Gesöff aus der Traube
Die früh verfaulte Kastanie stürzt sich vom morschen Baum
Gesellt sich zum steifen Geflügel in den stinkenden Schaum

Der Himmel, immer der Himmel, ist ekelerregend blau
Gespiegelt im brodelnden Wasser, färbt sich das Bild grün und grau
Kühe, Schafe und Pferde hinter knisternden Zäunen
Fallen dumpf vom Hang, litten unter ungleichen Beinen

Rumpelnde Wagen fahren quietschend auf bröckelnden Straßen
Todessehnsüchtige Fahrer überholen vor Kurven und rasen
Pfeifend, fauchend und sterbend quält sich durchs Kartenmotiv
Ein Zug auf zerbröselnden Schienen hin zum Abhang, so tief

In überfüllten Cafés, entlang verlassener Straßen
Versuchen in beige und in grau alte Menschen die Szene zu fassen
Ihre blutigen Tränen tauchen alles in romantisches Rot
Ein Kellner stolpert über’s Eisbärfell und ist auf der Stelle tot

Aber die Sonne, sie scheint, man hat den verbrieften Spaß
Gliedmaßen segeln vom Rumpf, ich schwöre, ich rieche Gas
Und am exklusiven Strand, im Schatten schimmelnder Liegen
Ganz am Ende der teuren Saison, scheint noch jemand zu liegen

Schnell kratzen Federn und Minen Lügen auf buntes Papier
Zungen lecken lüstern an Marken, schmecken nach schalem Bier
Würgend erhebt sich die Taube, aus meinem Traubensaft
Trägt den Brief in die Heimat, tut das mit letzter Kraft

Grau wedeln Tücher zu Massen
zum Abschied aus tausenden Fenstern
Brennend verschwindet der Zug
am Ende des Sommers im Finstern

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Samt

Ich musste Dich, ich musste mich
mühevoll und voll und lang
und erst dann, und gar nicht schnell
doch wissend, irgendwann – und unter Tränen
– gebären

Ich musste Dich, so schwer und wund
so vage und scheinbar ohne Grund
ich musste dich reißen, ziehen
ich habe Dir, ich habe mir verziehen

Vielleicht war es das
Und erst dann, konnte der blutrote
Vorhang fallen, schwer und dramatisch
– so hoch das Bühnendach,
so langes unheilschwangeres Rauschen

Angsterfülltes Lauschen erst
und absolute Ruhe dann
– blutrot und rauschend –
Lage um Lage

Und das Messer
Mit der langen, dünnen
ungewöhnlich edlen Klinge
entschuldigend und verstanden
dringt es in Dich, in mich ein

schwer, und rauschend,
dramatisch, klebrig und glänzend
– wie Samt –
faltet sich Lage um Lage
Dein, mein Blut auf den braunen Bühnenboden

Leicht erst und dann angenehm schwer
weicht der Atem aus mir, aus Dir
letztes Heben, letztes Senken
warmes Kribbeln, rostiger Geschmack
sinke ich, sinkst Du hinab
auf den braunen Bühnenboden

Mühevoll und voll und lang
und erst dann, und gar nicht schnell
Musste ich Dich, musste ich mich
wissend und unter Tränen
– töten

Um frei von uns zu sein
und endlich unsere Geschichte zu erzählen.

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Ich blute auf’s Papier

Ich blute auf’s Papier. Ich blute auf‘s Papier:
Was, was um alles in der Welt tue ich hier?

Das Blut läuft über den Tisch
Es scheint, es ist gar nicht ganz frisch
Es benetzt den Rand, färbt durstig weiß zu dunkelrot
das ganze Blatt: 7 Liter, tot

Ich kratze Zeichen in die getränkte Fläche
Worte reißen zu Löchern, es bilden sich Bäche
Keine Sätze, nur klebrige Fetzen
keine Poesie, nur gedankenloses Entsetzen

Ich blute, ich blute, bis ich den ganzen Raum flute
Überall rot, kein Weiß, kein Kontrast
nur ich selbst, nur du, alles verpasst

all die Luft, all das Fleisch, all der Zucker
nur klebriges Blut rinnt aus dem Drucker
keine Worte, kein Sinn und kein Gefühl
ich blute, ich blute, und das ist wirklich nicht viel

Dabei wollte ich nur Gedanken ranken,
wollte ganz sanft in Gefühlen wühlen,
wollte die ganz großen Bilder malen,
und auch ganz kleine, und vollkommen schräge

Als ich ich mir kraftvoll in den Unterarm säge
und da fließt das Blut, die Tinte der Dichter
da überspült mich die Flut
und ich werd‘ auch nicht mehr dichter

Ich blute, ich blute, nicht mehr auf’s Papier
ich flute die Welt, die war bisher gar nicht hier
Ich schwimme, ich schwimme
und zwar ziemlich schlecht, und ertrinke am Ende
Künstlerpech!

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Planet der Affen

130111_Herr NDer N schlägt den Kragen hoch. Was hatte ihn nur hinausgetrieben in diesen verregneten Dienstag. „Die Angst war es, die Angst“, flüstert sein Herz, während es warmes Blut in seine kalten Füße pumpt. Mit seinen dünnen Fingern wischt er den Gedanken mit dem Regen aus seinem Gesicht. Die Schultern hochgezogen, alle Muskeln angespannt, läuft er steif dem Tag entgegen. Morgenstund hat Gold im…naja, wo eigentlich? (mehr …)

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Blutige Pilze!

Wofür würde ein buddhistischer Mönch diese Zeilen benutzen? Würde er ein Mantra immer und immer wieder versonnen in die Tatstatur streicheln, in sich ruhend, mit sich selbst und der Welt im Reinen? Ich habe im Zustand größter Ausgeglichenheit versucht, diese Seite zu füllen: Es gelang mir nicht. Doch ich will gar nicht erörtern, wann für mich und für Sie, liebe LeserIn, der Zustand größtmöglicher Ausgeglichenheit eintritt. (mehr …)

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