Mein Leben als Ich Rotating Header Image

Geburt

Samt

Ich musste Dich, ich musste mich
mühevoll und voll und lang
und erst dann, und gar nicht schnell
doch wissend, irgendwann – und unter Tränen
– gebären

Ich musste Dich, so schwer und wund
so vage und scheinbar ohne Grund
ich musste dich reißen, ziehen
ich habe Dir, ich habe mir verziehen

Vielleicht war es das
Und erst dann, konnte der blutrote
Vorhang fallen, schwer und dramatisch
– so hoch das Bühnendach,
so langes unheilschwangeres Rauschen

Angsterfülltes Lauschen erst
und absolute Ruhe dann
– blutrot und rauschend –
Lage um Lage

Und das Messer
Mit der langen, dünnen
ungewöhnlich edlen Klinge
entschuldigend und verstanden
dringt es in Dich, in mich ein

schwer, und rauschend,
dramatisch, klebrig und glänzend
– wie Samt –
faltet sich Lage um Lage
Dein, mein Blut auf den braunen Bühnenboden

Leicht erst und dann angenehm schwer
weicht der Atem aus mir, aus Dir
letztes Heben, letztes Senken
warmes Kribbeln, rostiger Geschmack
sinke ich, sinkst Du hinab
auf den braunen Bühnenboden

Mühevoll und voll und lang
und erst dann, und gar nicht schnell
Musste ich Dich, musste ich mich
wissend und unter Tränen
– töten

Um frei von uns zu sein
und endlich unsere Geschichte zu erzählen.

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